Gefährliche Infektionen: Staphylokokken, Mykose, Gelbsucht, HIV. Kann man sie vermeiden?

Heutzutage ist unser Wissen darüber, wie wir uns vor Infektionen schützen können, viel größer als in der jüngeren Vergangenheit. Dennoch gibt es immer noch viele Infektionen. Nicht selten infizieren sich Menschen an Orten wie Schönheitssalons, Kliniken für ästhetische Medizin, Tätowierstudios und Friseursalons mit gefährlichen Viren und Bakterien. Wie können wir solche Infektionen vermeiden?

Wie lassen sich Infektionen vermeiden?

Die meisten von uns sind sich nicht einmal der Gefahren bewusst, die an Orten wie einem Schönheitssalon, einem Kosmetikstudio, einer Klinik für ästhetische Medizin, einem Friseursalon oder einem Tätowierstudio lauern können. Selbst einfache Eingriffe wie Nagelmodellage, Haarentfernung, Bartstyling und Gesichtsbehandlungen können für unsere Gesundheit gefährlich sein.

Infektionen: Wo können wir uns möglicherweise mit gefährlichen Viren und Bakterien anstecken?

Die häufigsten Arten von Infektionen, die in den oben genannten Salons auftreten, sind die folgenden:

1. Hepatitis-B-Virus

Das HBV-Virus verursacht Hepatitis B. Es ist die häufigste virale Lebererkrankung. Nach Angaben der WHO (Weltgesundheitsorganisation) haben derzeit 2 Milliarden Menschen eine HBV-Infektion gehabt und im Jahr 2015 litten 257 Millionen an chronischer Hepatitis B. Etwa 600.000 Menschen sterben jedes Jahr an der akuten HBV-Infektion oder ihren Komplikationen. Dieses Virus ist 100 Mal infektiöser als HIV - der einfache Kontakt selbst mit einer mikroskopisch kleinen Menge Blut kann zu einer Infektion führen. Man kann sich mit diesem Virus durch einen simplen Kratzer in der Haut und durch den Kontakt mit Blut, Sekreten und Ausscheidungen der infizierten Person anstecken. Die Ansteckung kann daher bei kosmetischen oder zahnärztlichen Eingriffen oder durch sexuellen Kontakt erfolgen.

2. Hepatitis-C-Virus

3% der Weltbevölkerung sind mit dem HCV-Virus infiziert, das Hepatitis C verursacht. Das 1989 entdeckte Virus wird als "stiller Killer" bezeichnet. Er arbeitet im Verborgenen, und die Infektion selbst kann asymptomatisch verlaufen. Das HCV-Virus wird über das Blut übertragen - die Infektion kann bei jeder noch so kleinen Schädigung der Haut oder der Schleimhäute erfolgen, zum Beispiel bei einem Besuch im Schönheitssalon. Jeder kann Überträger sein - und es kann sogar sein, dass man es gar nicht weiß. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland rund 300.000 Menschen an Hepatitis C. In Deutschland liegt der Erkennnungswert der Infektion weit über dem weltweiten Durchschnitt von 20 %, ist aber immer noch nicht optimal, und man geht davon aus, dass bis jetzt nur eine Minderheit diagnostiziert wurde.

3. Menschliches Papillomavirus HPV

Das menschliche Papillomavirus, kurz HPV-Virus genannt, verursacht eine Reihe von verschiedenen Krankheiten, darunter auch Krebs. HPV ist ein gefährliches Karzinogen, das sowohl Gebärmutterhalskrebs als auch Kopf- und Halskrebs verursachen kann. Eine Infektion mit HPV kann beim Geschlechtsverkehr und durch direkten Kontakt mit der Haut der infizierten Person erfolgen. Dieses Virus befällt hauptsächlich die Haut und den Urogenitalbereich. Die Infektion führt nicht immer zu spezifischen Symptomen. Im Gegenteil, die meisten HPV-Infektionen verlaufen asymptomatisch und klingen innerhalb von Wochen oder Monaten ab, aber der Träger kann trotzdem andere Personen infizieren.

4. Das HIV-Virus

Das HIV-Virus, oder menschliches Immunschwächevirus, schädigt das menschliche Immunsystem. Dies hat zur Folge, dass der Organismus mit fortschreitender Krankheit selbst mit potenziell harmlosen Infektionen nicht mehr fertig wird. HIV wurde erstmals 1983 in den USA isoliert. Im Deutschland ist HIV/AIDS keine meldepflichtige Krankheit. Die Daten werden allerdings anonym and das Robert Koch Institut weitergegeben. Schätzungen zufolge sind weltweit rund 35 Millionen Menschen infiziert. Die HIV-Infektion wird über das Blut (Nadelstichverletzungen, Verwendung von Gegenständen, die mit dem Blut infizierter Personen kontaminiert sind) oder bei sexuellen Kontakten übertragen. Sie kann auch während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Das Risiko einer Ansteckung mit diesem Virus ist geringer als bei den HBV- und HCV-Viren, da viel mehr Blut benötigt wird, um sich zu infizieren. Die frühe Phase der Infektion verläuft oft asymptomatisch oder es gibt Anzeichen, die auf eine Erkältung oder Grippe hindeuten. Wenn der Patient nicht früh genug mit einer fachärztlichen Behandlung beginnt, kann sich im Laufe der Zeit in seinem Organismus AIDS - das erworbene Immunschwächesyndrom - entwickeln.

5. Staphylokokken- und Streptokokken-Infektionen

Auch Infektionen mit Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken stellen ein ernstes Risiko dar. Staphylococcus aureus ist einer der gefährlichsten Mikroorganismen. Viele Träger haben dieses Bakterium auf ihrer Haut. Bei empfindlichen Menschen kann er jedoch viele schwere Erkrankungen wie Hautabszesse, Endokarditis, Knochen-, Lungen- und Gelenkentzündungen und sogar Sepsis hervorrufen, die manchmal zum Tod führt. Darüber hinaus sind viele Stämme dieses Bakteriums gegen häufig verwendete Antibiotika resistent - in diesem Fall stellt die Behandlung der Krankheit ein ernstes Problem dar. Ein weiteres gefährliches und weit verbreitetes Bakterium ist Staphylococcus epidermidis, das Teil der physiologischen Flora der Haut ist, aber unter bestimmten Umständen Entzündungen verursachen kann. Auch ein Streptokokkus der Gruppe A, Streptococcus pyogenes, verursacht viele Arten von Atemwegsinfektionen, Dermatitis, periorbitale Infektionen, Harnwegsinfektionen und viele weitere. Streptokokken werden hauptsächlich über die Luft übertragen - es genügt, wenn eine kranke Person hustet oder niest, und schon werden die Bakterien auf eine andere Person übertragen. Staphylokokken- und Streptokokkeninfektionen treten am häufigsten im Bereich der behandelten Haut auf.

Staphylokokken-Hautinfektionen sind hauptsächlich:

  • Follikulitis,
  • Sykose oder chronisch eitrige Follikulitis,
  • Furunkel oder akute eitrige Follikulitis.

Streptokokken-Infektionen:

  • Erysipel - Entzündung des Bindegewebes und der oberflächlichen Blutgefäße, die sich unter anderem in einer schmerzhaften, roten Schwellung der Haut äußert
  • Pilzinfektionen - Pityrosporum ovale, Candida sp., Epidermophyton sp.

6. Pilzinfektionen

Die häufigsten Pilze sind Candida- und Pityrosporum-Hefen, Pilze der Gattung Trichophyton und Pilze, die schwere allgemeine Infektionen verursachen können, wie Aspergillus und Rhizopus. Pilze produzieren hochgiftige Substanzen, Mykotoxine genannt; sie können schwere Vergiftungen und Hautkrankheiten verursachen. Candida albicans ist ein Pilz, der natürlicherweise im menschlichen Organismus vorkommt und auf der Haut, im Verdauungstrakt und in den weiblichen Geschlechtsteilen vorkommt. Candidose (Mykose) tritt auf, wenn sich diese Pilze signifikant vermehren. Diese Situation kann durch viele Faktoren verursacht werden, z.B. nach längerem Antibiotika-Einsatz, bei hormonellen Störungen oder im Verlauf von Diabetes. Eine Infektion mit Pityrosporum ovale verursacht seborrhoische Schuppen und kann auch die Symptome einer seborrhoischen Dermatitis verschlimmern. Die Trichophyton-Infektion ist die häufigste Ursache der Tinea pedis.

7. Parasitäre Infektionen - Sacroptes scabiel, Demodex folliculorum

Sacroptes scabiel, oder die Krätzemilbe, ist ein Parasit, der Krätze verursacht. Es handelt sich um eine sehr ansteckende Hautkrankheit. Diese Parasiten bevorzugen warme Stellen, deshalb befinden sie sich meist zwischen den Fingern (Intertoe-Pilz), in der Leiste, im Genitalbereich und unter den Brüsten. Man kann sich mit Krätze infizieren, meist durch direkten Kontakt mit infizierter Haut. Das Hauptsymptom ist ein juckender Ausschlag, der besonders nachts lästig ist. Demodex folliculorum verursacht eine Krankheit, die Demodikose oder rote Räude genannt wird. Sie wird mit dem Staub, durch den Kontakt mit einer kranken Person oder z.B. durch die Benutzung derselben persönlichen Dinge übertragen. Symptome der Infektion sind leichter Juckreiz der Haut, Entzündungen der Drüsen und Haarfollikel.

Wozu können Infektionen führen?

1. AIDS

Eine unbehandelte HIV-Infektion führt zur Entwicklung von AIDS, einem erworbenen Immunschwächesyndrom. AIDS bricht nach etwa einem Dutzend Jahren (im Durchschnitt 8-10 Jahre) bei Menschen aus, die sich nicht bewusst sind, dass sie das Virus in sich tragen. Nach Angaben der WHO sind seit Beginn der Epidemie bis Ende 2013 etwa 36 Millionen Infizierte an AIDS gestorben. Die erste Phase der HIV-Infektion wird als "akute retrovirale Krankheit" bezeichnet. Sie dauert bis zu mehreren Monaten und führt zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Lymphadenopathie. Die nächste Phase ist die latente Phase, die etwa 10 Jahre dauert. Innerhalb dieser Zeit ist das Immunsystem ständig geschwächt. AIDS ist das Endstadium der HIV-Infektion. Der zerstörte Organismus hört auf, sich auch mit scheinbar harmlosen Krankheiten auseinanderzusetzen. Es treten so genannte Indikatorkrankheiten auf, die eine Diagnose von AIDS ohne zusätzliche Tests ermöglichen. Die häufigsten Todesursachen für Menschen mit AIDS sind Infektionen und die damit einhergehenden Krebserkrankungen.

2. Tinea

Tinea ist die häufigste Hautkrankheit. Sie ist schwer zu heilen. Sie tritt am häufigsten an den Füßen, zwischen den Zehen, an den Nägeln und in der Leiste auf. Die Fußtinea wird hauptsächlich durch den Trichophyton-Pilz verursacht. Der Verlauf der Erkrankung ist langwierig und tritt häufig wiederkehrend auf. Die Symptome sind Epidermisabblätterung und Juckreiz. Der Nagelpilz ist das Hauptproblem in Schönheitssalons. Die Nagelplatte wird stumpf, oft dicker, gelb und brüchiger. Es kann auch eine Längsfurche auftreten. Der Pilz lässt sich leicht auf andere Menschen übertragen.

3. Gelbsucht

Gelbsucht der Haut und Weißwerden der Augen sind Symptome von Lebererkrankungen, die aus einer HCV- und HBV-Infektion resultieren können. Sie wird durch die Ansammlung von überschüssigem Bilirubin, einem Produkt des Hämoglobinabbaus, im Gewebe verursacht. Sie kann mit Juckreiz der Haut, Verdunkelung des Urins und Verfärbung des Stuhls einhergehen. HBV- und HCV-Viren führen nicht nur zu Gelbsucht, sondern auch zu Leberentzündung und -zirrhose sowie zu Leberkrebs, der sogar zum Tod führen kann.

Kann man eine Infektion vermeiden?

Das Bewusstsein über Infektionen, die möglicherweise bei der Durchführung selbst potenziell harmloser und einfacher kosmetischer Behandlungen auftreten können, wächst glücklicherweise sowohl bei den Salonbesitzern als auch bei ihren Kunden. Die Aufrechterhaltung der Grundprinzipien der Hygiene, die regelmäßige Desinfektion und die anschließende Sterilisation von wiederverwendbaren Instrumenten sind derzeit unverzichtbare Prozesse. In jedem Salon, in dem es während der Behandlung zu Hautrissen kommen kann, wie z.B. in Schönheitssalons, Kosmetikstudios, Zahnarztpraxen, Tätowierstudios oder Friseursalons, sollte ein Gerät zur Sterilisation wiederverwendbarer Instrumente - ein Autoklav - vorhanden sein. Nur so kann die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern gewährleistet und das Infektionsrisiko minimiert werden.

Wo sollte der Autoklav aufgestellt werden?

Einen Autoklav sollte es geben in:

  • Schönheitssalons,
  • Kliniken für ästhetische Medizin,
  • Friseursalons,
  • Tätowierstudios,
  • Arzt- und Zahnarztpraxen.

Wenn wir auch nur ein einfaches Verfahren wie Nagelstyling oder Hyaluronsäure-Injektionen durchführen lassen, sollten wir daher fragen, ob in diesem Salon ein Autoklav verwendet wird und wiederverwendbare Instrumente regelmäßig dem Sterilisationsprozess unterzogen werden.

Infektionen in Deutschland und anderen Ländern

1. Hepatitis B

Nachdem die beiden Datenbanken verknüpft und abgeglichen worden waren, wurden für Deutschland im Jahr 2019 insgesamt 6386 Fälle gemeldet. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel angestiegen. Im Jahr 2018 betrug die Zahl nämlich 4503.

2. Hepatitis C

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 400.000 oder gar 500.000 Menschen an chronischer Hepatitis C. Der intravenöse Drogenkonsum ist nach wie vor der häufigste Risikofaktor für eine Hepatitis-C-Infektion in Deutschland. Hepatitis C tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen, da Männer häufiger Drogen injizieren. Hepatitis C ist in bestimmten Teilen der Welt, darunter in Nordafrika, im Nahen Osten sowie in Zentral- und Ostasien, häufiger anzutreffen, und man geht davon aus, dass dies auf die Verwendung gemeinsamer Nadeln für Impfungen oder medizinische Behandlungen zurückzuführen ist. Weltweit gibt es 325 Millionen Menschen, die an Hepatitis B und C leiden.

3. HIV

Man schätzt, dass Ende 2018 etwa 87.900 Menschen in Deutschland mit HIV leben.